Zuckerbrot und Peitsche

Die Redewendung “Zuckerbrot und Peitsche” beschreibt den in der Pädagogik lang angewendeten Standard, sowohl mithilfe von Belohnungen bzw. Lob als auch mithilfe von Bestrafungen etwas erreichen zu wollen (Beispiel: “Er versuchte mit Zuckerbrot und Peitsche, seinen Vorschlag bei den anderen durchzusetzen.”).

Das Konzept der Belohnung und Strafe

Obwohl das Sprichwort oftmals im Rahmen der Erziehung bzw. der Pädagogik fällt, ist es schon seit längerer Zeit in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens und der Zeitgeschichte verankert. So protestierte etwa die Zeitung “Neues Deutschland” 1878 mit einem leicht abgeänderten Aufruf gegen die Sozialistengesetze von Otto von Bismarck, die unter anderem sozialdemokratische Vereine und Versammlungen verbot: “Sein Zuckerbrot verachten wir, seine Peitsche zerbrechen wir” war dort zu lesen (zu finden in Ausgabe vom 22. Oktober 1878).

Auch im englischsprachigen Bereich gibt es eine Redewendung, die auf denselben Hintergrund verweist. Allerdings ist es hier nicht das Zuckerbrot und die Peitsche, sondern die Möhre und ein Stock – “with a carrot and a stick”. Das lateinische Theaterstück Aulularia (“Der Goldtopf”) von Titus Maccius Plautus (254-184 v. Chr.) enthält auch eine ähnliche Anspielung. Dort fällt die Bemerkung “Altera manu fert lapidem, panem ostentat altera”, die sich ungefähr übersetzen lässt mit “In der einen Hand hält er einen Stein, und Brot zeigt er mit der anderen.”

Das Konzept findet aber längst nicht nur in Form von deutschen Sprichwörtern Verwendung. Dafür muss man beispielsweise nur an Knecht Ruprecht denken, den Gehilfen des Nikolauses, der in vielen Ländern bekannt ist. Dieser bestraft unartige Kinder, während der Nikolaus (oder sogar Ruprecht selbst, je nach Brauchtum) besonders liebe Jungen und Mädchen belohnt.

Geschichtlicher Ursprung von “Zuckerbrot und Peitsche”

Obwohl, wie weiter oben dargelegt, die Idee und ähnliche Sprichwörter bereits seit rund 2000 Jahren bekannt sind, ist der speziell deutsche Ausdruck der Zuckerbrot und Peitsche noch gar nicht so alt. Bedeutend ältere Einträge als der Artikel von “Neues Deutschland” sind nicht zu finden. Online finden sich lediglich einige Beiträge von zwei anderen Zeitungen, beide aus dem Jahr 1873:

  • “Wie man aus Passau erfährt, ist Bischof Heinrich’s [sic] Versuch, mit Zuckerbrot und Peitsche die Gewährung der Heiligengeistkirche an die dortigen Altkatholiken zu hintertreiben, kläglich gescheitert.” (Bote aus dem Riesengebirge, 1873, Nr. 43, S. 796.)
  • “In geschickten Händen lässt Rom »Zuckerbrot und Peitsche brauchen.«” (Schles. Presse, Breslau 1873, Nr. 13, Hauptblatt.)

Was ist eigentlich ein Zuckerbrot?

Ein Zuckerbrot im modernen Sinne ist ein Stück Brot, das mit Butter und Zucker bestrichen ist (alternativ wird das Brot mit der Butter angebraten) und so oft zum Kaffee gereicht wird. Häufige Verwendung findet es als “Notlösung” für älteres Brot. Ein ähnliches Gericht beschreibt auch das in den Niederlanden gebräuchliche “Suikerbrood” oder “sûkerbôle”, das gerade in Friesland der Mutter eines neugeborenen Mädchens gereicht wird.

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