Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Das Sprichwort “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” besagt, dass derjenige Vorrang hat, der zuerst am entsprechenden Zielpunkt bzw. Ort des Geschehens gewesen ist. Diese Redewendung geht bis in das Mittelalter zurück, als Bauern sich an Mühlen anstellen mussten, um ihr Getreide mahlen zu dürfen. Wer als erstes dort war, durfte demnach auch anfangen.

Verwendungsbeispiele und ähnliche Redewendungen

Wer kennt das nicht: An der Supermarktkasse bildet sich wieder eine riesige Schlange. Man selbst hat nur zwei Artikel, während ein anderer seinen kompletten Einkaufswagen befüllt hat. Aber da hilft alles nichts – denn wer zuerst kommt, der mahlt zuerst (man könnte höchstens das Supermarktpersonal bitten, einen Zahn zuzulegen…).

Ein im erweiterten Sinne vergleichbares Konzept, wenn auch eher auf einen konkreten Zeitpunkt ausgelegt, beschreibt das Sprichwort “Morgenstund hat Gold im Mund”. Dieses kann so interpretiert werden, dass derjenige, der früher da gewesen ist bzw. angefangen hat, einen Vorteil besitzt.

In andere Sprachen lässt sich das Sprichwort ebenfalls übertragen:

  • “First come, first served” im Englischen
  • “Premier arrivé, premier servi” auf französisch
  • “Chi primo arriva, bene alloggia” (“Wer zuerst ankommt, wohnt gut”) im Italienischen

Bei diesen findet sich nur kein Hinweis auf die Regelung mit der Mühle. Und das aus gutem Grund, wie sich zeigt, wenn man tiefer in die Geschichte des Sprichworts einsteigt.

Herkunft von “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst”

De Nutzung des Sprichworts geht auf einen Gesetzgebungs-Kontext zurück, genauer auf den “Sachsenspiegel”. Eike von Repgow verfasste dieses Rechtsbuch zwischen 1220 und 1235. Während zu dieser Zeit viele Rechtslagen mündlich überliefert waren, war der Sachsenspiegel ein Versuch, dies zu verschriftlichen und vor allem zu vereinheitlichen.

Während es im Teil zum Lehnrecht eher um Pflichten und die Verhältnisse zwischen den Ständen ging, beschrieb das Landrecht die Rechte von freien Bürgern und Bauern. Und dort war ausdrücklich festgehalten, dass alle Personen, die ihr Getreide gemahlt haben wollten, reihum bedient wurden – unabhängig vom Stand. Das war damals keine Selbstverständlichkeit.

Denn im 12. Jahrhundert kam zumindest teilweise der sogenannte Mühlenzwang oder Mühlenbann auf. Dies sicherte dem Grundherren das alleinige Recht zu, Mühlen zu bauen und zu betreiben. So mussten Bauern immer in festen Mühlen ihr Getreide mahlen. Es bestand keine Möglichkeit, eine andere Mühle (bspw. aufgrund besserer Preise oder besserer Qualität) aufzusuchen. Dementsprechend war der im Sachsenspiegel festgehaltene Satz, der auf die Bedienung nach der Reihenfolge hinweist, nicht ganz unbedeutend:

“Die ok irst to der molen kumt, die sal erst malen.”

Somit ist “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst” eines der zahlreichen mittelalterlichen Sprichwörter.

Weitere Informationen über den Sachsenspiegel und “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst”