Morgenstund hat Gold im Mund

Das Sprichwort “Morgenstund hat Gold im Mund” sagt aus, dass ein Frühaufsteher besonders viel an einem Tag erreichen kann bzw. dass es sich in den frühen Morgenstunden besser arbeiten lässt. Zurückzuführen ist diese Redewendung auf den lateinischen Lehrsatz “aurora habet aurum in ore”.

Verwendungsbeispiele und ähnliche Sprichwörter

Auch wenn eher unwahrscheinlich, gibt es ihn trotzdem: Der Student, der früh aufsteht, da er zu diesem Zeitpunkt besser lernen kann – denn immerhin hat “Morgenstund hat Gold im Mund”. Eine Redewendung mit der gleichen Bedeutung ist auch der Satz “Der frühe Vogel fängt den Wurm”, den es übrigens auch im englischsprachigen Bereich so gibt (“The early bird catches the worm”). Im Französischen ist der Satz “L’avenir appartient à ceux qui se lèvent tôt” (Die Zukunft gehört denen, die früh aufstehen) geläufig.

Generell ist die Rede vom “goldenen Mund” am Tagesanfang aber universal einsetzbar und weit verbreitet. Es bezieht sich nicht auf eine bestimmte Situation. Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt dabei das geflügelte Wort “Carpe diem” – wohl eines der bekanntesten lateinischen Sprichwörter.

Herkunft des Sprichworts liegt (scheinbar) im Lateinischen

Wie bei vielen anderen Redewendungen ist die Geschichte des Satzes gar nicht mal so eindeutig oder leicht zu erklären. Primär gibt es zwei Erklärungsansätze, die den Ursprung interessanterweise beide im Lateinischen sehen – allerdings unter vollkommen anderen Voraussetzungen.

So schreiben die Autoren Friedrich Maurer und Heinz Rupp im ersten Teil von “Deutsche Wortgeschichte” (1974), dass das Sprichwort wohl 1570, also vor rund 450 Jahren, in Deutschland entstanden ist. Grundlage dafür war der lateinische Lehrsatz “aurora habet aurum in ore”, der sich in etwa übersetzen lässt in “Morgenröte hat Gold im Mund”.

Interessanterweise gibt es aber auch im “echten” zeitgenössischen Latein einen ähnlichen Satz – “aurora musis amica”, der ungefähr besagt, dass die “Morgenröte die Freundin der Musen” ist (und wen küsst die Muse nicht morgens?). Aurora war übrigens gleichzeitig auch der lateinische Name für die Göttin der Morgenröte (das Pendant zur “Eos” in der griechischen Mythologie), die Gold im Haar – und eben im Mund – trägt. Das lateinische Vorbild (und nicht den Lehrsatz) hat auch schon der Gelehrte Erasmus von Rotterdam in einem Brief von 1497 an den deutschen Kaufmann und Humanisten Christian Northoff verwendet.

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