Mir kommt etwas spanisch vor

Mit dem Sprichwort “Mir kommt etwas spanisch vor” signalisiert man, dass etwas sehr seltsam oder ungewöhnlich vorkommt. Die Herkunft im deutschen Sprachgebrauch geht zurück auf König Karl V. im Jahre 1519, der zuvor schon König von Spanien war und unübliche Praktiken etablierte.

Anwendungsbeispiele und ähnliche Sprichwörter

  • “Auf meine Frage hin gab er mir Antworten, die ich so noch nie gehört hatte. Das kam mir spanisch vor.”
  • “Ich kenne weder Name noch Anschrift von dieser Person. Mir kommt das Ganze spanisch vor.”

Sobald einem etwas unheimlich, seltsam oder ungewöhnlich erscheint, greift man im Deutschen oft auf die Redewendung zurück – etwas ist einem nicht ganz geheuer, wie man auch so schön sagt. Vom eigentlichen Sinn her leicht anders, aber ebenfalls in eine ähnliche Richtung geht der Begriff der “Böhmischen Dörfer” oder das “Fachchinesisch”.

Sehr interessant und eigentlich ganz amüsant: “Mir kommt etwas spanisch vor” existiert nur im deutschen Sprachgebrauch. Das Umschreiben von seltsamen Vorgängen oder Nicht-Verstehen mithilfe einer Fremdsprache ist dagegen allerdings in einer Vielzahl anderer Sprachen ganz normal. Einige Beispiele dafür sind:

  • “Double Dutch” (niederländisch) oder “It’s Greek to me” (griechisch) auf Englisch.
  • “C’est du chinois” auf Französisch (chinesisch).
  • “Dat is Chinees voor mij” (chinesisch) oder “Dat kümmt mi spaansch vör” auf niederländisch

Und ja, das Sprichwort gibt es tatsächlich auch im Spanischen: “Est me suena a chino” bezieht sich ebenfalls wieder auf das Chinesische.

Geschichtliche Herkunft von “Etwas spanisch vorkommen”

Wieso aber bezieht sich dieses deutsche Sprichwort so eindeutig auf das Spanische? Wie eingangs bereits erwähnt, ist “Mir kommt etwas spanisch vor” nach Meinung der Wissenschaft eines der vielen Sprichwörter aus dem Mittelalter.

Der in den heutigen Niederlanden geborene Karl V. (1500-1558) war ab 1520 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, das zu dieser Zeit unter anderem das heutige Deutschland sowie Teile von Belgien, den Niederlanden, Polen und Tschechien zu seinem Reichsgebiet zählte.

Noch davor, genauer gesagt seit Februar 1518, war der zu der Habsburger Familie gehörende Karl V. allerdings schon König von Spanien (genauer gesagt Kastilien, Aragonien und Katalonien) und anderer Königreiche. Dabei hatte er allerdings keinen eigenen Hofstaat in jedem Lande, sondern die nach Schätzungen circa ein- bis zweitausend Personen folgten ihm quer durch alle Lande.

Dementsprechend führte Karl V. und sein Staat neue und auf den ersten Blick unübliche Sitten und Gebräuche ein. Unter anderem musste spanisch gesprochen und das dort übliche Hofzeremoniell (unter anderem das Tragen schwarzer Kleidung) eingehalten werden. In der deutschen Bevölkerung waren diese Methoden nicht nur unbeliebt, sondern auch unbekannt – und so entstand wohl “Mir kommt etwas spanisch vor”.

Weitere Informationen über „Mir kommt etwas spanisch vor“ und Karl V.