Etwas links liegen lassen

Die Redewendung “etwas links liegen lassen” besagt, dass man eine Gegebenheit bewusst ignoriert beziehungsweise sie außer Acht lässt und vernachlässigt, möglicherweise weil sie im Moment nicht von Belang ist. Das Sprichwort geht wohl zurück auf die Tatsache, dass die Rechtshändigkeit weiter verbreitet ist.

Beispiele für “links liegen lassen” und ähnliche Redewendungen

  • “Das war für mich in diesem Moment nicht von Belang. Ich habe es einfach links liegen lassen.”
  • “Ich lasse heute meine Probleme einfach mal links liegen und genieße den Tag.”

Wenn uns etwas in diesem Moment nicht wichtig erscheint, dann ignorieren wir es und lassen es links liegen. Man könnte auch sagen, der Umstand kann uns gestohlen bleiben. Aber während man den Ursprung dieses Sprichworts noch ungefähr herleiten kann, bleibt beim “Linken” die Frage: Woher stammt die Redewendung?

Geschichtliche Herkunft: Eng verwandt mit verschiedenen Sprachbereichen

Schauen wir dafür zunächst auf den Begriff der Händigkeit: Welche Hand benutzen Menschen für filigrane Bewegungen?  Genetik, Kultur und Gesellschaft sowie frühe Entwicklungsstadien beeinflussen die Frage, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin aus 2014 sind allerdings circa 10-15%, eventuell aber sogar mehr als 20% der europäischen Bevölkerung linkshändig.

Hier findet sich also bereits ein erster Hinweis: Viele nutzen die rechte Seite schlichtweg häufiger. Dazu kommt gerade im deutschen Sprachgebrauch Begriffe wie “das Recht” oder “richtig”, die zumindest auf den ersten Blick auch etwas mit Richtungsangaben zu tun haben. Tatsächlich aber geht es auf den indogermanischen Begriff h₃reĝ zurück, der “aufrichten” bedeutete. Für viele lag es natürlich trotzdem nahe, “Recht” mit “rechts” in Verbindung zu setzen – und das Gegenteil für links anzunehmen.

Ein weiterer Hinweis stammt aus dem Mittelalter. Denn die rechte Hand war – eben weil viele Rechtshänder waren – die “Schwerthand”, die man sich auch zur Begrüßung gab. Sie war die echte, ehrliche (man könnte auch sagen, die “rechte”) Hand. Da lag es natürlich nahe, dass die linke Hand eher eine gegenteilige Konnotation erhielt.

Schlussendlich lässt sich die Wortherkunft von “links liegen lassen” auch ganz praktisch beschreiben: Nämlich im Bereich der Weg- bzw. Routenbeschreibung.

Ein frühes Beispiel dafür: Christian Friedrich Hempel, Publizist aus dem 18. Jahrhundert. Er schrieb zusammen mit Johann Friedrich Seyfart ein Werk mit dem vollmundigen Titel “Helden- Staats- und Lebens-Geschichte Des Allerdurchlauchtigsten und Grosmächtigsten Fürsten und Herrns, Herrn Friedrichs des Andern Jetzt glorwürdigst regirenden Königs in Preussen, Chur-Fürstens zu Brandenburg, und souverainen Herzogs in Schlesien”. Dort heißt es auf Seite 366 bezüglich Truppenbewegungen:

„… da nämlich der Feind den Ort Weidenhayn, rechts liegen gelassen, und seinen Marsch durch den Wald genommen[…]so wurde in dieser […]Position das feindliche Debouschiren abgewartet“. Der Begriff “Debouschiren” bzw. in heutiger Rechtschreibung “debouchieren” bezeichnet das Ausrücken aus einem Engpass. Gut möglich, dass sich die Wortherkunft letzten Endes aus der Mischung dieser Faktoren zusammengesetzt hat.

Weitere Informationen und Ressourcen zur Redewendung “jemanden/etwas links liegen lassen”