Die Fahne in den Wind hängen

Das Sprichwort “Die Fahne in den Wind hängen” (je nachdem auch “die Fahne nach dem Wind hängen”) besagt, dass sich jemand sehr schnell anpasst bzw. ohne größeres Hinterfragen die Meinung der Mehrheit übernimmt. Dies passiert möglicherweise auch in der Hoffnung, einen Vorteil daraus zu ziehen. Die mittlerweile abwertend gemeinte Redewendung geht zurück auf den mittelalterlichen Begriff “seinen Mantel nach dem Wind hängen”.

Beispiele und ähnliche Sprichwörter

Wer kennt ihn nicht: Den Menschen, der sich seiner Sache zunächst sehr sicher ist. Aber bereits bei dem kleinsten Einwand eines anderen verlässt er seinen Standpunkt und schließt sich der Meinung der Mehrheit an – er hängt seine Fahne in den Wind.

Das Sprichwort gibt es in unzähligen sprachlichen Variationen – oft hört man auch noch die ältere Version mit dem Mantel, auf den die “Fahne” eigentlich zurückgeht (s. nächsten Abschnitt). Bildlich gesprochen wird schnell die Verbindung mit einer Wetterfahne ersichtlich.

In anderen Sprachen gibt es ähnliche Redewendungen, die auch allesamt sehr figurativ sind – allerdings auf andere Art und Weise. Beispiele dafür:

  • englisch: “swim with the tide” (“Mit den Gezeiten schwimmen”, also vergleichbar mit dem deutschen “mit der Masse schwimmen”)
  • spanisch: cambiarse la chaqueta (“Die Jacke ändern”).

Herkunft von “Die Fahne in den Wind hängen”

Wie schon erwähnt, hat das Sprichwort durchaus eine sprachliche Entwicklung hinter sich. Denn obwohl die “Fahne” heute im Sprachgebrauch wesentlich handelsüblicher ist, liegt der Ursprung im Mantel, der in oder nach dem Wind gehängt wird.

Erstmals findet sich die Redewendung 1190 wieder, und zwar genauer gesagt in den Überlieferungen des Dichters Spervogel, dessen Identität bis heute ungeklärt ist. Dort heißt es: “Man sol den mantel kêren, als daz weter gât”.

Kurze Zeit später und ganz ähnlich heißt es in der mittelalterlichen Erzählung von Tristan und Isolde: „Man sol den mantel kehren als die winde sint gewant.“ Auch Jahrhunderte später wurde es in dieser Form noch genutzt, so etwa von Johann von Morsheim/Morschheim. Er war Adliger und Literat und verfasste 1497 den “Spiegel des Regiments”. Dort findet sich der ironische Satz:”Wer sei der herren hofgesynd der henck den mantel nach dem wynd”.

Abschließend kann also nicht ganz nachvollzogen werden, wie genau sich der Mantel in die Fahne verwandelte. Die (zugegebenermaßen haltlose) Vermutung des Autors dieser Zeilen ist, dass sich im Laufe der Zeit einfach ein wesentlich greifbareres Symbol bzw. Gleichnis (wenn man es so nennen mag) durchgesetzt hat.

Weitere Informationen und Ressourcen zu diesem Sprichwort und “Mantel nach dem Winde kehren”