Blut ist dicker als Wasser

Die Redewendung “Blut ist dicker als Wasser” verweist auf die starke Bindung innerhalb der Familie bzw. Verwandtschaft und macht klar, dass diese Bande auch über größere Schwierigkeiten hinweg bestehen bleibt. Der Spruch geht in Teilen zurück auf die Antike sowie das Mittelalter.

Bedeutung und Beispiele für “Blut ist dicker als Wasser”

  • “Ich hatte einen schweren Streit mit meinem Onkel, aber wir werden uns wieder zusammenraufen. Blut ist eben dicker als Wasser”.
  • “Blut ist dicker als Wasser – unsere Familie hält durch dick und dünn zusammen.”
  • “Eigentlich ist Blut ja dicker als Wasser, aber meine Schwester hat mich trotzdem im Stich gelassen.”

Aufgrund der großen Bekanntheit des Sprichworts haben sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl an (mitunter humorvollen) Varianten etabliert, etwa “Blut ist dicker als Tinte” oder “Blut ist dicker als Wasser, aber schwerer zu verkaufen”.

In zahlreichen anderen Sprachen ist die Redewendung ebenfalls bekannt:

  • “blood is thicker than water” auf englisch
  • “le sang est plus épais que l’eau” auf französisch

Und das verwundert auch nicht weiter, ist der Satz im Kern doch eines der zahlreichen antiken Sprichwörter – wobei es heutzutage eigentlich völlig konträr zur damaligen Bedeutung läuft.

Herkunft von “Blut ist dicker als Wasser” zeigt: Missverstandene Redewendung

Es scheint nur eine Online-Quelle dazu zu geben, die den Ursprung in den Rechtsbegebenheiten zur Zeit des Alten Testaments (grob ab 250 v. Chr.) sieht. Zu dieser Zeit war es wohl üblich, einen Vertrag mit der Schlachtung eines Tiers und Teilung des Körpers in zwei Hälften zu besiegeln. Diese stellten sich dann in das Blut des Tiers. Das Wasser dagegen war “nur” Tauf- oder Geburtswasser. Im ursprünglichen Sinne war es also genau umgedreht.

Biblische Interpretation von Blut und Wasser

Steigt man tiefer in die Bedeutung von Blut und Wasser im Rahmen der Bibel ein, so zeigt sich, dass diese Begriffe ganz unterschiedlich ausgelegt werden können bzw. verschiedene Assoziationen wecken. Dementsprechend ist es schwierig, hier einen eindeutigen Erklärungsansatz bzw. Herleitung zu finden.

Für das Sprichwort könnte jedoch eine besondere Interpretation von Wasser interessant sein (an dieser Stelle vielen Dank an Dipl.-Theologin Annette Graeber für die Quellen). Mitunter gilt es nämlich als Zeichen von Schwäche, was damit der Bedeutung von „Blut ist dicker als Wasser“ möglicherweise eine weitere Ebene hinzufügt – siehe hierzu Josua 7,5 (von der Lutherbibel 1984):

Und die Männer von Ai erschlugen von ihnen etwa sechsunddreißig Mann; sie hatten sie nämlich von dem Tor bis zu den Steinbrüchen gejagt und am Abhang erschlagen. Da verzagte das Herz des Volks und ward zu Wasser.

Weitere Bekanntheit erlangte das Sprichwort dann durch Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), der damit die enge, durch ein trennendes Meer unbeeinträchtigte Verbindung des englischen und deutschen Volks (im Gegensatz zu den US-Amerikanern) hervorheben wollte.

Die Rolle von Reinhart/Reineke Fuchs

Die erste Verwendung des Sprichworts in seiner eigentlichen Form geschah dann durch den vermutlich elsässischen Autor Heinrich der Glîchezære (“Heinrich der Betrüger/Heuchler”, 12. Jahrhundert). Er schrieb “Reinhart Fuchs”, das erste Tierepos im deutschen Sprachgebrauch, das später unter anderem Goethe weiterverarbeitete.

Kurz umrissen geht es dort um die Verbrechen, die der Fuchs begangen hat, und zwei Gerichtsverhandlungen darüber. Sinngemäß fällt dort die Bemerkung, dass Blut zwischen Verwandten nicht durch Wasser verdünnt wird.

Aber ist Blut denn wirklich dicker als Wasser?

Dafür werfen wir einen Blick auf die Viskosität – die Zähflüssigkeit – der beiden Stoffe. Dabei gilt: Je höher der Wert, desto dickflüssiger der Stoff, je niedriger, desto dünnflüssiger. Wasser hat bei 20°C eine Viskosität von 1,00 und gilt so als Richtwert.

Allerdings ist die Viskosität von Blut nur sehr schwer zu bestimmen, denn sie ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Außerdem verhält es sich nicht wie ein sogenanntes Newtonsches Fluid. Das sind Gase oder Flüssigkeiten, bei denen das Fließverhalten linear ist. Ein klassisches Beispiel für ein Newtonsches Fluid? Wasser. Dementsprechend kann man mithilfe der Viskosität nicht bestimmen, ob Blut dicker als Wasser ist. Es gibt sogar einen eigenen wissenschaftlichen Bereich, der sich mit der Strömungs-/Fließmechanik von Blut beschäftigt: die Hämodynik oder Hämorheologie.

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