Jemandem die Daumen drücken

Daumen drücken - sprichwort-spuren.de

Das Sprichwort Daumen drücken bedeutet, dass man jemandem Glück wünscht. Der Ursprung bzw. die Herkunft der Redewendung ist nicht eindeutig belegt – ein möglicher Erklärungsansatz sind Gladiatorenspiele im alten Rom.

Beispiele für “jemandem die Daumen drücken”

  • “Ich habe morgen meine Abschlussprüfung in der Universität” – “Oh! Na dann drücke ich Dir die Daumen, dass alles gut verläuft.”
  • “Wir alle drückten ihm die Daumen, und schlussendlich hat er seine Führerscheinprüfung bestanden.”

Geschichtliche und kulturelle Herkunft des Daumen-Drückens

Bereits die Römer und wohl auch die germanischen Völker verbanden den Daumen mit Glück oder benutzten ihn für verschiedene Gesten, die in irgendeiner Form mit Glück und/oder zukünftigen Ereignissen in Verbindung standen.

Ein Beispiel dafür sind die Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Wollten die Zuschauer einem der Kämpfer Gnade erweisen, legten sie den Daumen in die Faust (drückten ihm also die Daumen). Die Daumen-hoch-Geste ist davon übrigens losgelöst bzw. beinhaltet eine andere Konnotation.

Bei anderen Völkern war das Daumendrücken dafür da, böse Geister, Hexen und andere negative Erscheinungen zu vertreiben bzw. sich davor zu schützen.

Übrigens: Im englischsprachigen Bereich hat sich das Sprichwort nicht durchgesetzt. Hier werden stattdessen die Finger gekreuzt (“keeping my fingers crossed”), was nach aktuellem Stand als ein biblisches Sprichwort einzuordnen ist.

Weitere Informationen über das Daumendrücken und die geschichtliche Herkunft

Gras über etwas wachsen lassen

Gras drüber wachsen lassen - sprichwort-spuren.de

Das Sprichwort „Gras über etwas wachsen lassen“ sagt aus, dass eine Sache gerne in Vergessenheit geraten soll, weil sie in irgendeiner Weise unangenehm oder unerfreulich ist/war. Alternativ wird damit auch etwas bezeichnet, das aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden ist (ähnlich wie die Redewendung “Danach kräht kein Hahn mehr.”) Das bereits im Mittelalter bekannte Sprichwort hat keine ganz eindeutige Herkunft.

Beispiele der Redewendung

  • “Die Sache war ihm unangenehm. Er wollte Gras drüber wachsen lassen, weswegen er es nie mehr erwähnte.”
  • “Ich versuchte, Gras über die Sache wachsen zu lassen, aber meine Vergangenheit holte mich ein.”

Geschichtliche Herkunft von „Gras über etwas wachsen lassen“

Wohl bereits im Mittelalter bekannt, im Kern zwei verschiedene Erklärungsansätze. Einmal Totenruhe bzw. Bestattung – darüber ist Gras gewachsen bezieht sich in diesem Zusammenhang natürlich eindeutig auf das Grab. Dementsprechend liegt die Beerdigung also schon bereits einige Zeit zurück. Andererseits kann es in diesem Zusammenhang auch bedeuten: Wenn das Grab nicht mehr gepflegt wird (und Gras darüber gewachsen ist), ist der Tote in Vergessenheit geraten.

Alternativ kann das mittelalterliche Sprichwort auch dem Bereich der Landwirtschaft zugeordnet werden. Dort gab es bereits früher die Empfehlung, Baumstümpfe nicht mühselig komplett auszugraben und zu entfernen, sondern – wie jetzt bereits gedacht – Gras drüber wachsen zu lassen.

Weitere Informationen über das Sprichwort “Gras drüber wachsen lassen”

Hiobsbotschaft

Hiobsbotschaft - sprichwort-spuren.de

Die Redewendung bzw. der Begriff Hiobsbotschaft beschreibt eine Nachricht oder Mitteilung, die für den Empfänger sehr negative, vielleicht sogar katastrophale Botschaft enthält. Sie geht zurück auf die biblische Erzählung des Hiob.

Bedeutung und Beispiele einer Hiobsbotschaft

Wie nicht wenige der biblischen Sprichwörter und Begriffe, die aus dem Alten Testament stammen (s. dazu weiter unten), hat die Hiobsbotschaft eine ganz klare negative Konnotation: Eine Hiobsbotschaft ist von ihrem Inhalt her so schlimm, dass wohl keiner sie erhalten möchte. Dafür auch einige Beispiele:

  • „Wie geht es Dir? Du siehst schlecht aus.“ – „Kein Wunder. Ich habe komme gerade von der Bank, die eine wahre Hiobsbotschaft für mich hatten.“
  • „Er erhielt eine Hiobsbotschaft; seine Eltern sind letzte Woche überraschend verstorben.“

Herkunft: Die Erzählung von Hiob in der Bibel

Auch wenn es ähnliche Geschichten bereits vor der Bibel gab, basiert die Redewendung auf der Erzählung im Buch Ijob (je nachdem auch Hiob oder Job genannt). Protagonist ist der Mann Hiob aus dem Lande Uz, dessen Treue zu Gott durch den Teufel selbst auf eine schwere Probe gestellt wird.

Nach einer Diskussion zwischen Gott und Satan schlägt dieser vor, Ijobs Treue zu Gott zu testen. Daraufhin verliert er seinen ganzen Besitz (11.000 Tiere und Knechte), und seine zehn Kinder. Ijob jedoch bleibt weiter gläubig. Daraufhin testet der Teufel ihn weiter und belegt ihn mit einem Geschwür.

Ijob erfährt durch den einzigen überlebenen Knecht von diesen Schicksalsschlägen – Hiobsnachrichten oder Hiobsbotschaften. Er hält Gott jedoch die ganze Zeit über die Treue, woraufhin dieser ihn schlussendlich mit doppelt so viel Vieh und abermals zehn Kindern entlohnt.

Weitere Informationen zur Hiobsbotschaft und der Bedeutung der Redewendung

Etwas links liegen lassen

Etwas links liegen lassen - sprichwort-spuren.de

Die Redewendung “etwas links liegen lassen” besagt, dass man eine Gegebenheit bewusst ignoriert beziehungsweise sie außer Acht lässt und vernachlässigt, möglicherweise weil sie im Moment nicht von Belang ist. Das Sprichwort geht wohl zurück auf die Tatsache, dass die Rechtshändigkeit weiter verbreitet ist.

Beispiele für “links liegen lassen” und ähnliche Redewendungen

  • “Das war für mich in diesem Moment nicht von Belang. Ich habe es einfach links liegen lassen.”
  • “Ich lasse heute meine Probleme einfach mal links liegen und genieße den Tag.”

Wenn uns etwas in diesem Moment nicht wichtig erscheint, dann ignorieren wir es und lassen es links liegen. Man könnte auch sagen, der Umstand kann uns gestohlen bleiben. Aber während man den Ursprung dieses Sprichworts noch ungefähr herleiten kann, bleibt beim “Linken” die Frage: Woher stammt die Redewendung?

Geschichtliche Herkunft: Eng verwandt mit verschiedenen Sprachbereichen

Schauen wir dafür zunächst auf den Begriff der Händigkeit: Welche Hand benutzen Menschen für filigrane Bewegungen?  Genetik, Kultur und Gesellschaft sowie frühe Entwicklungsstadien beeinflussen die Frage, ob jemand Rechts- oder Linkshänder ist. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin aus 2014 sind allerdings circa 10-15%, eventuell aber sogar mehr als 20% der europäischen Bevölkerung linkshändig.

Hier findet sich also bereits ein erster Hinweis: Viele nutzen die rechte Seite schlichtweg häufiger. Dazu kommt gerade im deutschen Sprachgebrauch Begriffe wie “das Recht” oder “richtig”, die zumindest auf den ersten Blick auch etwas mit Richtungsangaben zu tun haben. Tatsächlich aber geht es auf den indogermanischen Begriff h₃reĝ zurück, der “aufrichten” bedeutete. Für viele lag es natürlich trotzdem nahe, “Recht” mit “rechts” in Verbindung zu setzen – und das Gegenteil für links anzunehmen.

Ein weiterer Hinweis stammt aus dem Mittelalter. Denn die rechte Hand war – eben weil viele Rechtshänder waren – die “Schwerthand”, die man sich auch zur Begrüßung gab. Sie war die echte, ehrliche (man könnte auch sagen, die “rechte”) Hand. Da lag es natürlich nahe, dass die linke Hand eher eine gegenteilige Konnotation erhielt.

Schlussendlich lässt sich die Wortherkunft von “links liegen lassen” auch ganz praktisch beschreiben: Nämlich im Bereich der Weg- bzw. Routenbeschreibung.

Ein frühes Beispiel dafür: Christian Friedrich Hempel, Publizist aus dem 18. Jahrhundert. Er schrieb zusammen mit Johann Friedrich Seyfart ein Werk mit dem vollmundigen Titel “Helden- Staats- und Lebens-Geschichte Des Allerdurchlauchtigsten und Grosmächtigsten Fürsten und Herrns, Herrn Friedrichs des Andern Jetzt glorwürdigst regirenden Königs in Preussen, Chur-Fürstens zu Brandenburg, und souverainen Herzogs in Schlesien”. Dort heißt es auf Seite 366 bezüglich Truppenbewegungen:

„… da nämlich der Feind den Ort Weidenhayn, rechts liegen gelassen, und seinen Marsch durch den Wald genommen[…]so wurde in dieser […]Position das feindliche Debouschiren abgewartet“. Der Begriff “Debouschiren” bzw. in heutiger Rechtschreibung “debouchieren” bezeichnet das Ausrücken aus einem Engpass. Gut möglich, dass sich die Wortherkunft letzten Endes aus der Mischung dieser Faktoren zusammengesetzt hat.

Weitere Informationen und Ressourcen zur Redewendung “jemanden/etwas links liegen lassen”

Milchmädchenrechnung

Milchmädchenrechnung - sprichwort-spuren.de

Mit der Redewendung Milchmädchenrechnung (in der Schweiz auch Milchbüchleinrechnung) bezeichnet man abfällig eine (möglicherweise bewusst gewählte) zu einfach aufgebaute Argumentation bzw. Begründung, obwohl das Problem eine komplexere Betrachtung nötig hätte. Die Folge sind oft falsche Ergebnisse.

Beispiele und ähnliche Redewendungen

  • “Er macht es sich in seiner Berechnung viel zu einfach. Das ist eine Milchmädchenrechnung, damit er scheinbar Recht hat.”
  • “Ohne belastbare Daten können wir das Problem nicht lösen. Alles andere wäre derzeit nur eine Milchmädchenrechnung.”

Wer kennt es nicht? Inmitten einer hitzigen Diskussion kommt es öfters vor, dass die hervorgebrachten Argumente oftmals nicht so logisch sind, wie er oder sie es gerne hätte. Nur zu oft denkt man zwar an das Sprichwort “Wer denken kann, ist klar im Vorteil”, aber oftmals werden bestimmte Aspekte einfach unter den Tisch gekehrt. Das ist dann zwar oft eine Milchmädchenrechnung – aber wen stört es, solange man Recht hat? 😉

Interessant dabei: Es gibt keine geläufigen Übersetzungen dieses Begriffs. Und generell liegt die Geschichte des Sprichworts ein wenig im Dunkeln.

Woher stammt der Begriff der Milchmädchenrechnung?

Diverse Quellen – darunter auch der Duden – stufen die “Milchmädchenrechnung” als eines der eher seltenen französischen Sprichwörter, die es ins Deutsche geschafft haben, ein. Der Ursprung geht zurück auf den in Frankreich sehr bekannten Schriftsteller Jean de la Fontaine (1621-1695), der mehrere Fabeln verfasste. Darunter befindet sich auch “La Laitière et le Pot au Lait” (“Die Milchfrau und die Milchkanne”), die 1678 erschien. Sie erzählt die Geschichte von dem Mädchen Perrette, das sich auf dem Weg zum Markt macht, um Milch zu verkaufen.

Sie fantasiert bereits vorher darüber, was sie mit dem Gewinn machen wird und was sie sich davon kaufen könnte. Aber dann verschüttet sie die Milch. Obwohl der Begriff der Milchmädchenrechnung nie fällt, sehen viele in dieser Geschichte den Ursprung.

Einen völlig anderen Ansatz, der eigentlich gegensätzlich zur negativen Konnotation läuft, präsentierte das Monatsmagazin NZZFolio im Januar 1999, als der Begriff “Milchmädchenrechnung” im Deutschen Bundestag im Rahmen der Diskussion eines Gesetzesentwurfs aufkam und man daraufhin die Herkunft des Wortes zu erklären versuchte.

Laut dem Autor Herbert Cerutti geht die “Milchmädchenrechnung” auf die Berliner Firma Carl Bolle zurück. Der Gründer hatte ab 1886 eine Molkerei auf der Alt-Moabit in Berlin. Mit Fuhrwerken und einer Glocke, die darauf aufmerksam machen sollte (daher kam auch der lokal geläufige Spitzname “Bimmel-Bolle”), fuhren mehrere Mädchen durch Berlin und verkauften die Milch an Hausfrauen. Der Legende nach hatte eines dieser „Milchmädchen“ nur sehr geringe mathematische Fähigkeiten, wodurch die Käufer sie mehrmals betrogen. Dank einer Rechenmethode konnte sie nicht nur Zahlen bis fünf, sondern auch bis zehn multiplizieren. Ob dies aber tatsächlich der Ursprung der “Milchmädchenrechnung” ist, mag man zumindest aktuell nicht vollständig erklären können.

Das Milchmädchen – ein fast vergessener Beruf

Ein Milchmädchen – oder je nachdem auch ein Milchmann oder Milchjunge – waren früher übrigens beinahe alltäglich. Denn als es noch keine Kühlschränke bzw. generell weniger Möglichkeiten zur Haltbarmachung gab, waren Verbraucher auf eine fast tägliche Lieferung angewiesen. Hier kamen die Milchmädchen ins Spiel.

Heute ist ein Lieferservice für Milch beinahe vergessen – zumindest für die meisten von uns. Die einzige Ausnahme hierzulande bildet das „Schulmilchprogramm“, das von der EU gefördert wird: Schulen können Milch und verschiedene Milcherzeugnisse wie Joghurt oder Quark erwerben, die sie ausgeliefert bekommen. Aber nur noch sehr wenige Einrichtungen nehmen daran teil.

In anderen Ländern – Indien zum Beispiel – ist die Lieferung von Milch mittels Milchmännern, -jungen oder -mädchen aber noch sehr viel verbreiteter. Der Grund liegt auch hier in den zum Teil fehlenden Kühlungs- und Konservierungsmöglichkeiten.

Weiterführende Informationen über den Begriff der “Milchmädchenrechnung”

Durch dick und dünn

Durch dick und dünn - sprichwort-spuren.de

Mit der Redewendung “Durch dick und dünn” bezeichnet man eine sehr starke zwischenmenschliche Beziehung, die sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten besteht und dass die Personen zueinander treu sind. Das Sprichwort geht zurück auf das Durchqueren dicht und dünn bewaldeter (und womöglich gefährlicher) Gebiete.

Beispiele und ähnliche Sprichwörter

  • “Er war nicht nur da, als es mir gut ging, sondern immer. Wir gehen wirklich durch dick und dünn.”
  • “Ich bin keiner, der beim ersten Problem nicht mehr hinhört. Wenn ich jemanden als Freund bezeichne, gehe ich mit ihm durch dick und dünn.”

Eine starke Beziehung zum Partner oder zum Freund kann man mit vielen Redewendungen umschreiben: Entweder man geht durch dick und dünn, man übersteht Höhen und Tiefen, hält jemandem die Treue, gibt jemandem sein letztes Hemd und so weiter.

Wie sieht das in anderen Ländern aus – kennt man diese Begriffe dort auch? Zumindest im Englischen lässt sich “durch dick und dünn” unmittelbar übersetzen mit “through thick and thin”. Andere europäische Sprachen wie französisch oder spanisch haben teilweise andere, ebenfalls sehr figurative Übersetzungen (z.B. “contra viento y marea” – “gegen alle Widerstände”). Dass diese die Redewendung nicht kennen bzw. im heutigen Sprachgebrauch nicht geläufig sind, verwundert allerdings etwas, wenn man sich die Ursprünge anschaut.

Herkunft von “Durch dick und dünn”

Gehen wir ein paar hundert Jahre zurück. Damals war das Reisen weder so komfortabel noch so sicher wie heute. Auf den Landstraßen und Wegen gab es viele Gefahren, von denen nicht die geringste Räuber und Ganoven waren. Ein anderes, oft genutztes Wort für sie: Strauchdiebe. Denn tatsächlich lagerten sie am Wegesrand in den Büschen und kamen dann heraus, um Reisende zu überfallen. Einen Schutz konnten sich nur die wenigsten leisten.

Und hier kommen wir “Durch dick und dünn” als eines der zahlreichen Sprichwörter aus dem Mittelalter schon etwas näher. Denn tatsächlich geht das Sprichwort nicht auf dick im Sinne von rundlich zurück, sondern auf die Vegetation am Wegesrand. Waren die Büsche dicht bewachsen, so war natürlich die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich dort Strauchdiebe versteckten. Dementsprechend musste man jemanden sehr vertrauen bzw. mögen, um mit ihm durch dickes/dichtes Gehölz zu gehen. Im Laufe der Jahre wurde daraus dann “durch dick und dünn”.

Weitere Informationen über “Durch dick und dünn”

Blut ist dicker als Wasser

Blut ist dicker als Wasser - sprichwort-spuren.de

Die Redewendung “Blut ist dicker als Wasser” verweist auf die starke Bindung innerhalb der Familie bzw. Verwandtschaft und macht klar, dass diese Bande auch über größere Schwierigkeiten hinweg bestehen bleibt. Der Spruch geht in Teilen zurück auf die Antike sowie das Mittelalter.

Bedeutung und Beispiele für “Blut ist dicker als Wasser”

  • “Ich hatte einen schweren Streit mit meinem Onkel, aber wir werden uns wieder zusammenraufen. Blut ist eben dicker als Wasser”.
  • “Blut ist dicker als Wasser – unsere Familie hält durch dick und dünn zusammen.”
  • “Eigentlich ist Blut ja dicker als Wasser, aber meine Schwester hat mich trotzdem im Stich gelassen.”

Aufgrund der großen Bekanntheit des Sprichworts haben sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl an (mitunter humorvollen) Varianten etabliert, etwa “Blut ist dicker als Tinte” oder “Blut ist dicker als Wasser, aber schwerer zu verkaufen”.

In zahlreichen anderen Sprachen ist die Redewendung ebenfalls bekannt:

  • “blood is thicker than water” auf englisch
  • “le sang est plus épais que l’eau” auf französisch

Und das verwundert auch nicht weiter, ist der Satz im Kern doch eines der zahlreichen antiken Sprichwörter – wobei es heutzutage eigentlich völlig konträr zur damaligen Bedeutung läuft.

Herkunft von “Blut ist dicker als Wasser” zeigt: Missverstandene Redewendung

Es scheint nur eine Online-Quelle dazu zu geben, die den Ursprung in den Rechtsbegebenheiten zur Zeit des Alten Testaments (grob ab 250 v. Chr.) sieht. Zu dieser Zeit war es wohl üblich, einen Vertrag mit der Schlachtung eines Tiers und Teilung des Körpers in zwei Hälften zu besiegeln. Diese stellten sich dann in das Blut des Tiers. Das Wasser dagegen war “nur” Tauf- oder Geburtswasser. Im ursprünglichen Sinne war es also genau umgedreht.

Biblische Interpretation von Blut und Wasser

Steigt man tiefer in die Bedeutung von Blut und Wasser im Rahmen der Bibel ein, so zeigt sich, dass diese Begriffe ganz unterschiedlich ausgelegt werden können bzw. verschiedene Assoziationen wecken. Dementsprechend ist es schwierig, hier einen eindeutigen Erklärungsansatz bzw. Herleitung zu finden.

Für das Sprichwort könnte jedoch eine besondere Interpretation von Wasser interessant sein (an dieser Stelle vielen Dank an Dipl.-Theologin Annette Graeber für die Quellen). Mitunter gilt es nämlich als Zeichen von Schwäche, was damit der Bedeutung von „Blut ist dicker als Wasser“ möglicherweise eine weitere Ebene hinzufügt – siehe hierzu Josua 7,5 (von der Lutherbibel 1984):

Und die Männer von Ai erschlugen von ihnen etwa sechsunddreißig Mann; sie hatten sie nämlich von dem Tor bis zu den Steinbrüchen gejagt und am Abhang erschlagen. Da verzagte das Herz des Volks und ward zu Wasser.

Weitere Bekanntheit erlangte das Sprichwort dann durch Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), der damit die enge, durch ein trennendes Meer unbeeinträchtigte Verbindung des englischen und deutschen Volks (im Gegensatz zu den US-Amerikanern) hervorheben wollte.

Die Rolle von Reinhart/Reineke Fuchs

Die erste Verwendung des Sprichworts in seiner eigentlichen Form geschah dann durch den vermutlich elsässischen Autor Heinrich der Glîchezære (“Heinrich der Betrüger/Heuchler”, 12. Jahrhundert). Er schrieb “Reinhart Fuchs”, das erste Tierepos im deutschen Sprachgebrauch, das später unter anderem Goethe weiterverarbeitete.

Kurz umrissen geht es dort um die Verbrechen, die der Fuchs begangen hat, und zwei Gerichtsverhandlungen darüber. Sinngemäß fällt dort die Bemerkung, dass Blut zwischen Verwandten nicht durch Wasser verdünnt wird.

Aber ist Blut denn wirklich dicker als Wasser?

Dafür werfen wir einen Blick auf die Viskosität – die Zähflüssigkeit – der beiden Stoffe. Dabei gilt: Je höher der Wert, desto dickflüssiger der Stoff, je niedriger, desto dünnflüssiger. Wasser hat bei 20°C eine Viskosität von 1,00 und gilt so als Richtwert.

Allerdings ist die Viskosität von Blut nur sehr schwer zu bestimmen, denn sie ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Außerdem verhält es sich nicht wie ein sogenanntes Newtonsches Fluid. Das sind Gase oder Flüssigkeiten, bei denen das Fließverhalten linear ist. Ein klassisches Beispiel für ein Newtonsches Fluid? Wasser. Dementsprechend kann man mithilfe der Viskosität nicht bestimmen, ob Blut dicker als Wasser ist. Es gibt sogar einen eigenen wissenschaftlichen Bereich, der sich mit der Strömungs-/Fließmechanik von Blut beschäftigt: die Hämodynik oder Hämorheologie.

Weitere Informationen über “Blut ist dicker als Wasser”

Mir kommt etwas spanisch vor

Mir kommt etwas spanisch vor - sprichwort-spuren.de

Mit dem Sprichwort “Mir kommt etwas spanisch vor” signalisiert man, dass etwas sehr seltsam oder ungewöhnlich vorkommt. Die Herkunft im deutschen Sprachgebrauch geht zurück auf König Karl V. im Jahre 1519, der zuvor schon König von Spanien war und unübliche Praktiken etablierte.

Anwendungsbeispiele und ähnliche Sprichwörter

  • “Auf meine Frage hin gab er mir Antworten, die ich so noch nie gehört hatte. Das kam mir spanisch vor.”
  • “Ich kenne weder Name noch Anschrift von dieser Person. Mir kommt das Ganze spanisch vor.”

Sobald einem etwas unheimlich, seltsam oder ungewöhnlich erscheint, greift man im Deutschen oft auf die Redewendung zurück – etwas ist einem nicht ganz geheuer, wie man auch so schön sagt. Vom eigentlichen Sinn her leicht anders, aber ebenfalls in eine ähnliche Richtung geht der Begriff der “Böhmischen Dörfer” oder das “Fachchinesisch”.

Sehr interessant und eigentlich ganz amüsant: “Mir kommt etwas spanisch vor” existiert nur im deutschen Sprachgebrauch. Das Umschreiben von seltsamen Vorgängen oder Nicht-Verstehen mithilfe einer Fremdsprache ist dagegen allerdings in einer Vielzahl anderer Sprachen ganz normal. Einige Beispiele dafür sind:

  • “Double Dutch” (niederländisch) oder “It’s Greek to me” (griechisch) auf Englisch.
  • “C’est du chinois” auf Französisch (chinesisch).
  • “Dat is Chinees voor mij” (chinesisch) oder “Dat kümmt mi spaansch vör” auf niederländisch

Und ja, das Sprichwort gibt es tatsächlich auch im Spanischen: “Est me suena a chino” bezieht sich ebenfalls wieder auf das Chinesische.

Geschichtliche Herkunft von “Etwas spanisch vorkommen”

Wieso aber bezieht sich dieses deutsche Sprichwort so eindeutig auf das Spanische? Wie eingangs bereits erwähnt, ist “Mir kommt etwas spanisch vor” nach Meinung der Wissenschaft eines der vielen Sprichwörter aus dem Mittelalter.

Der in den heutigen Niederlanden geborene Karl V. (1500-1558) war ab 1520 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, das zu dieser Zeit unter anderem das heutige Deutschland sowie Teile von Belgien, den Niederlanden, Polen und Tschechien zu seinem Reichsgebiet zählte.

Noch davor, genauer gesagt seit Februar 1518, war der zu der Habsburger Familie gehörende Karl V. allerdings schon König von Spanien (genauer gesagt Kastilien, Aragonien und Katalonien) und anderer Königreiche. Dabei hatte er allerdings keinen eigenen Hofstaat in jedem Lande, sondern die nach Schätzungen circa ein- bis zweitausend Personen folgten ihm quer durch alle Lande.

Dementsprechend führte Karl V. und sein Staat neue und auf den ersten Blick unübliche Sitten und Gebräuche ein. Unter anderem musste spanisch gesprochen und das dort übliche Hofzeremoniell (unter anderem das Tragen schwarzer Kleidung) eingehalten werden. In der deutschen Bevölkerung waren diese Methoden nicht nur unbeliebt, sondern auch unbekannt – und so entstand wohl “Mir kommt etwas spanisch vor”.

Weitere Informationen über „Mir kommt etwas spanisch vor“ und Karl V.

Unter aller Kanone

Unter aller Kanone - sprichwort-spuren.de

Mit der Redewendung “Unter aller Kanone” bezeichnet man umgangssprachlich etwas qualitativ minderwertiges, was den geforderten oder gewünschten Standards keineswegs entspricht. Das Sprichwort entstammt dem Schulbereich und geht zurück auf das lateinische “sub omni canone”.

Beispiele und ähnliche Sprichwörter

  • “Deine Klassenarbeit war wirklich unter aller Kanone.”
  • “Das Verhalten der Gruppe ging gar nicht – es war unter aller Kanone.”

Wohl jeder hat einen ähnlichen Spruch bereits gehört (bzw. musste ihn sich gefallen lassen). Sprachlich sehr nah verwandt ist die Redewendung “unter aller Sau”, die sich übrigens nicht auf das Tier bezieht, sondern interessanterweise den gleichen Ursprung hat wie unter aller Kanone.

Geschichtliche Herkunft von “unter aller Kanone” und “unter aller Sau”

Weder die Sau noch die Kanone sind in diesem Kontext wörtlich zu verstehen. Stattdessen gehen beide Variationen des Sprichworts auf die Pädagogik bzw. die Bewertung zurück, genauer gesagt auf Dissertationen (Arbeit, mit der ein Doktortitel erlangt wird).

Denn ist eine solche Dissertation ungenügend, gibt es (ähnlich wie das wesentlich bekanntere “summa cum laude”) dafür Bezeichnungen wie insufficienter, non sufficit, non rite „ungenügend“ oder eben “sub omni canone” – unterhalb jedes Maßstabs. Dieser lateinische Begriff geht zurück auf den griechischen Begriff kanón, der in etwa Leitfaden, Richtschnur oder Maßstab bedeutet.

Diese Verbindung zieht sich durch verschiedene zeitliche Epochen der Bewertung. Auch im Mittelalter war der Begriff des Kanons bzw. dann eben auch “sub omni canone” geläufig (wobei natürlich jeder Schüler hoffte, sich nicht unterhalb davon zu befinden). Im Laufe der Zeit machten Schüler dann daraus “unter aller Kanone”.

Wie passt “unter aller Sau” dann dazu? Das ist einfach erklärt: Auf jiddisch heißt Maßstab “seo”. Auch hier gab es also eine Verballhornung.

Weitere Informationen über “unter aller Kanone”

Lügen haben kurze Beine

Lügen haben kurze Beine - sprichwort-spuren.de

Das Sprichwort “Lügen haben kurze Beine” sagt aus, dass bewusste Falschaussagen eher früher als später auffliegen und eventuell sogar auf denjenigen, der diese in Umlauf brachte, zurückfallen. Lügen lohnt sich also nicht. Der Ursprung der Redewendung liegt im deutschen Sprachgebrauch.

Bedeutung und Beispiele des Sprichworts

Wer lügt, der findet sich wahrscheinlich früher oder später in vertrackten Situationen wieder: Ein Detail der Geschichte passt nicht zu den vorherigen Aussagen und so passiert es sehr häufig recht schnell, dass diese falschen Aussagen auffliegen. Denn Lügen haben nun einmal kurze Beine, oder andersherum ausgedrückt: Ehrlich währt am längsten.

Wir halten also fest: Wer gut lügen will, muss sich gut darauf vorbereiten. Nicht umsonst schrieb bereits der römische Rhetoriklehrer Quintilian (ca. 35-96 n.Chr.) “Mendacem memorem esse oportet” – “Der Lügner muss Gedächtnis haben”.

Auch in anderen Sprachen gibt es sehr ähnliche Sprichwörter, die ebenfalls die Beine erwähnen, beispielsweise:

  • “A lie has no legs” in englisch
  • “le bugie hanno le gambe corte” in italienisch
  • “leugens hebben korte benen” in niederländisch
  • “la mentira tiene patas cortas” in spanisch

Woher kommt “Lügen haben kurze Beine”?

Nun sollte man meinen, dass diese Redewendungen auf eine relativ lange Historie zurückblickt, die diese unterschiedlichen Übersetzungen erklärt. Tatsächlich findet sich dazu aber sehr wenig Material. Stattdessen legt vieles nahe, dass es sich um eins der zahlreichen deutschen Sprichwörter handelt.

Eine erste Nennung in einer leicht anderen Variante findet sich in “Ausführliche Arbeit von der Teutschen Haubtsprache” von Justus Georg Schottel aus dem Jahre 1663. Dort ist die Redewendung noch unter “Lügen haben kurze füsse” zu finden.

Caspar geht in seinem Werk “Ich kam, ich sah, ich siegte” (2010) zudem auf die DDR und Konrad Adenauer ein. Der erste deutsche Bundeskanzler musste sich verbalen Anschuldigungen gefallen lassen. Nach seinem Rücktritt 1963 wurde der in der DDR bekannte (und ziemlich wahrscheinlich verbotene) Spruch “Lügen haben kurze Beine, Ulbricht hat besonders kleine” dann einfach in “Lügen haben kurze Beine, Adenauer hat besonders kleine” umgemünzt. Andere Quellen dafür lassen sich nicht finden – aber gut möglich, dass diese Geschichte zur Popularität der Redewendungen beigetragen hat. Scheinbar gab es auch zu Zeiten der Montagsdemonstrationen in der DDR ähnliche Ausrufe (“Lügen haben kurze Beine, Egon zeig, wie kurz sind deine“).

Weitere Informationen über “Lügen haben kurze Beine”