Auge um Auge, Zahn um Zahn

Das Sprichwort “Auge um Auge, Zahn um Zahn” beschreibt die Haltung, dass man Gleiches mit Gleichem vergelten sollte. Die Redewendung geht auf die babylonische Rechtssprechung zurück.

Beispiele und ähnliche Sprichwörter

Oftmals legt die Verwendung von “Auge um Auge, Zahn um Zahn” eine recht grobe, wenn nicht sogar barbarische Grundeinstellung nahe. Auf ähnliche Weise lässt sich das ebenfalls seit sehr langer Zeit bekannte “Wie du mir, so ich dir” einordnen, wobei dieses (zumindest theoretisch) noch positive Konnotationen haben könnte.

Kurzum: Wenn also jemand (unter Umständen sogar) gewalttätig angegriffen wurde, dann wird der Täter auch auf dieselbe Weise behandelt. Ihn erwartet kein Gericht, sondern er muss das erleben, was das Opfer auch durchlitten hat.

Herkunft und geschichtliche Bedeutung

Beinahe jeder weiß, dass dieses Sprichwort die Menschheit schon sehr lange begleitet. Doch auch wenn viele Menschen den Ursprung in der Bibel sehen, geht “Auge um Auge, Zahn um Zahn” tatsächlich noch etwas weiter und auch konkret greifbarer zurück – genauer gesagt auf das babylonische Reich.

Von Babylon gibt es die erste bzw. älteste noch erhaltene, schriftliche Gesetzessammlung der Welt, den Codex Hammurapi. Er ist datiert auf das 18. Jahrhundert vor Christus. Namensgeber war der sechste König der 1. Dynastie, Hammurapi, und die Stele, auf der sich die Rechtssprüche befinden, wurde möglicherweise in Sippa errichtet, das südwestlich vom heutigen Bagdad liegt. Sie lässt sich übrigens auch heute noch im Louvre begutachten.

Dieser Codex hält fest, wie die Bestrafung bei Körperverletzungen aussehen soll. Wenn ein gleich gestellter Mann einem anderen die Zähne ausschlägt, so wird diesem auch der Zahn ausgeschlagen. Allerdings – und das sollte man unbedingt erwähnen – ist nicht jede Strafe komplett gleich. Teilweise richtete sie sich auch nach dem Status des Opfers, sodass körperliche Strafen sogar bis zum Tod, aber auch Geldstrafen möglich waren.

Wesentlich größere Bekanntheit erlangte dieses antike Sprichwort allerdings zweifellos durch die Bibel. Das ist auch kein Wunder: der Codex Hammurapi wurde immerhin erst 1901 wiederentdeckt. In der Bibel-Übersetzung von Martin Luther heißt es im 2. Buch Mose, 21. Kapitel, Vers 24ff: “Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule”. Andere Übersetzungen sind dem sehr ähnlich. Eberfelder (1905) schreibt etwa:“Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme.”

Das ist allerdings nur eine exemplarische Stelle der Bibel, in der Aussagen in diese Richtungen getroffen werden. Ein weiterer Vers ist etwa das 3. Buch Mose, Kapitel 24, Vers 19ff.:“Und wer seinen Nächsten verletzt, dem soll man tun, wie er getan hat, Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er hat einen Menschen verletzt, so soll man ihm wieder tun. Also daß, wer ein Vieh erschlägt, der soll’s bezahlen; wer aber einen Menschen erschlägt, der soll sterben.”

Weitere Informationen über “Auge um Auge, Zahn um Zahn” und den Codex Hammurapi